(c) ZDF/Marcus Vetter

24. August von 20.15 bis 23.15 Uhr

Mehr als 33 Jahre saß der Deutsche Jens Söring in den USA in Haft – verurteilt wegen Mordes an den Eltern seiner Geliebten. Am 17. Dezember 2019 wurde er nach Deutschland überstellt – unter der Auflage, nie mehr in die USA zurückzukehren. Die vierteilige Reihe schildert, wie vom Mord bis zum Urteil und darüber hinaus dieser aufsehenerregende Fall verlief.

Teil 1: Der Mord

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Am 30. März 1985 wurden Derek und Nancy Haysom in ihrem Haus in Lynchburg, Virginia, brutal ermordet aufgefunden. Die örtliche Polizei, und später sogar das FBI werden hinzugezogen. Fünf Jahre danach, am 21. Juni 1990, wurde Jens Söring, der Freund der Tochter Elizabeth Haysom, wegen Mordes ersten Grades an den Eltern seiner Freundin verurteilt und zu zweimal lebenslanger Haftstrafe verurteilt. „Ich bin unschuldig“, sagte Söring vor Gericht, bis heute.

Was geschah wirklich in jener Nacht? Die Anwälte von Jens Söring, ein ehemaliger Ermittler des Sheriff-Büros und ein Privatdetektiv versuchen den Fall erneut zu untersuchen. Sie suchen nach einem FBI-Profil, das verschwunden ist. Wo sind die von ihrer Mutter aufgenommenen Aktfotos von Elizabeth, die auf sexuellen Missbrauch als ein Tatmotiv der Tochter hinweisen?

Als die polizeilichen Ermittlungen sich im Herbst 1985 auf Elizabeth Haysom und Jens Söring verdichteten, floh das Paar aus dem Land, erst nach Europa, dann Thailand, und schließlich England.

Teil 2: Der Verrat

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Am 30. April 1986 war das Spiel zu Ende. In London wurden sie unter den Decknamen Christopher P. Noe und Tara Lucy Noe wegen Scheckbetrugs verhaftet. In Untersuchungshaft kam Jens Söring die Idee, die, wie er sagt, sein Leben zerstörte: Er würde der Polizei sagen, dass er den Mord begangen hat, denn ohne dieses Opfer würde Elizabeth auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet. Jens betont, dass er glaubte, dass er als Sohn eines deutschen Diplomaten nach Deutschland überstellt und nur zu ein paar Jahren Jugendhaft verurteilt werden würde. Ein paar Jahre seines Lebens, um ihres zu retten.

Doch dann wurde Elizabeth Haysom in die USA überstellt. Sie bekannte sich schuldig, „Mittäter“ des Mordes an ihren Eltern zu sein, und stellte ihn als den „German Bastard“ dar. Sie wurde zu 90 Jahren Gefängnis verurteilt.

Zu diesem Zeitpunkt erfuhr Jens Söring in London, dass er nicht unter die diplomatische Immunität seines Vaters fällt. Ihm drohte nun selbst die Todesstrafe. Er zog sein Geständnis zurück und begann, um sein Leben zu kämpfen.  Am 12. Januar 1990 wurde auch Jens Söring in die USA ausgeliefert. Sein Fall löste dort einen Medienrummel aus. Es war der erste Prozess, der in den USA live im Fernsehen übertragen wurde.

Teil 3: Alibis

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Jens Söring kämpfte vor Gericht um sein Leben. Ein Reifenexperte durfte vor Gericht über einen blutigen Sockenabdruck aussagen, der am Tatort gefunden wurde. Er erklärte, dass er perfekt mit Jens Fuß übereinstimmt. Doch es gab Blut am Tatort, das nicht Jens zugeordnet werden konnte. Vor Gericht erklärte Jens Söring, dass er auf Elizabeths Bitte hin ein Alibi organisierte, indem er in drei Kino-Filme ging und jedes Mal zwei Karten kaufte, während sie die Eltern umbrachte.

Immer mehr Menschen begannen an Jens Schuld zu zweifeln, eine davon war Gail Marshall, die ehemalige stellvertretende Staatsanwältin von Virginia. Sie sagte, sie habe in ihrer ganzen Karriere nur zwei Fälle gehabt, bei denen sie fest davon überzeugt war, dass die Verurteilten unschuldig sind. Der eine ist mittlerweile ein freier Mann, der andere ist Jens Söring.

Und dann sah Jens Söring zum ersten Mal seit drei Jahren Elizabeth Haysom, als sie vor Gericht erschien, um gegen ihn auszusagen. In ihrer Aussage räumte sie ein, zugelassen zu haben, dass Jens ihre Eltern tötete, dass er aber den freien Willen hatte, diesen Mord zu begehen oder nicht. 

Teil 4: Das Urteil

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„Ich bin unschuldig“, sagte Jens Söring, als er 1990 in den USA wegen zweifachen Mordes zu zweimal lebenslanger Haftstrafe verurteilt wurde. Seitdem hat er alle Phasen durchlebt: Schock, Wut, Selbsthass, die Suche nach Gott, den Glaubensverlust und den endlosen Kreislauf von Hoffnung und Hoffnungslosigkeit.

Es gab einige Tage, an denen Jens Söring sicher war, er würde nach Hause kommen. Am 12. Januar 2010 genehmigte der demokratische Gouverneur von Virginia, Timothy M. Kaine, an seinem letzten Amtstag die Auslieferung von Jens Söring nach Deutschland. Doch fünf Tage später war alles wieder vorbei. Der neue Gouverneur von Virginia, der Republikaner Robert F. McDonnell, beschloss an seinem ersten Arbeitstag, die Überstellung nach Deutschland zu widerrufen.

Erst weitere neun Jahre später beschloss der Bewährungsausschuss von Virginia Jens Söring und Elizabeth Haysom auf Bewährung freizulassen. Nach mehr als 33 Jahren hinter Gittern wurde Jens Söring am 17. Dezember 2019 nach Deutschland überstellt. Er darf nie wieder in die Vereinigten Staaten zurückkehren.