Landesgruppe Hessen lud zum Tag der offenen Tür.

Hessische Landespolitiker haben sich hinter die Kampagne „Baustelle Betreuung“ und die Forderungen des Bundesverbands der Berufsbetreuer/innen nach besseren Rahmenbedingungen gestellt. Den Tag der offenen Tür im Betreuungsbüro von Eberhard Marten in Ranstadt nutzten rund 60 Teilnehmer zum Austausch über die aktuelle, prekäre Lage in der beruflichen Betreuung – darunter die hessische Landesministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Lucia Puttrich (CDU), die Landtagsabgeordnete Lisa Gnadl (SPD), der Landtagskandidat Thomas Zebunke (B‘90/Die Grünen), die Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin im Wetteraukreis Stephanie Becker-Bösch (SPD), Cäcilia Reichert-Dietzel (SPD), Bürgermeisterin Großgemeinde Ranstadt, und Marco Behrendt, Leiter der Betreuungsbehörde Wetteraukreis, sowie Richter, Rechtspfleger, Ärzte und Behördenvertreter.

Die Politiker/innen zeigten große Wertschätzung für die Arbeit der Berufsbetreuer/innen in Deutschland, die dafür sorgen, dass Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung ihre Angelegenheiten nicht mehr selbst managen, dennoch ein selbstbestimmtes Leben in Würde führen können. Ministerin Lucia Puttrich äußerte Verständnis für die Forderung nach höheren Stundensätzen und vor allem mehr Zeit für Klienten. Berufsbetreuer/innen können maximal 44 Euro pro Stunde und durchschnittlich 3,3 Stunden pro Klient und Monat abrechnen. Sie arbeiten jedoch mindestens 4,1 Stunden, also 0,8 Stunden ohne Bezahlung. Das hat die Studie des Bundesjustizministeriums aus dem Jahr 2017 belegt. „Das ist kein Dauerzustand“, so die Politikerin, die zu bedenken gab, dass in den meisten Bereichen der sozialen Arbeit die Stundensätze zu knapp kalkuliert seien.

Lisa Gnadl hatte 2015 im Büro von Eberhard Marten einen Tag lang hospitiert und dabei Einblicke in die verantwortungsvolle und komplexe Tätigkeit der Berufsbetreuer/innen gewonnen. Gnadl stellte sich ausdrücklich hinter die Forderungen des Verbands und kündigte an, sich dafür einzusetzen, diese politisch durchzusetzen. Im Bundestag war 2017 eine Erhöhung der Betreuervergütung um 15 Prozent beschlossen worden. Der Beschluss war jedoch im Bundesrat am Veto der Länder gescheitert.

Bürgermeisterin Cäcilia Reichert-Dietzel honorierte, dass die Gemeinde Ranstadt mit Eberhard Marten einen Berufsbetreuer direkt am Ort hat, der eng mit den örtlichen Behörden und Vereinen vernetzt ist. Die Zusammenarbeit funktioniere exzellent, so Reichert-Dietzel – zum Wohle der betroffenen Menschen. Sozialdezernentin Becker-Bösch sieht die Betreuungsbehörde im Wetterauskreis gut aufgestellt und betonte die enge und gute Zusammenarbeit mit den Berufsbetreuer/innen. Zwar sei das erste Ziel, Betreuungen zu vermeiden, doch ginge es ohne Berufsbetreuer/innen nicht. Das System sei überaus wertvoll für den sozialen Frieden in der Gesellschaft.

BdB-Landesgruppensprecher Harald Kalteier übermittelte Grußworte des Bundesvorsitzenden Thorsten Becker und der Leiterin der überörtlichen Betreuungsbehörde Helga Steen-Helms. Kalteier verwies auf den Kongress „Rechtliche Betreuung – auf dem Weg zu neuer Qualität und Anerkennung“, der am 28. und 29. März 2019 in Frankfurt am Main stattfinden wird.

Mehr Informationen: www.baustelle-betreuung.de

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Foto (c) BdB v.l.n.r. 1. Reihe: Marco Behrendt (Leiter der Betreuungsbehörde Wetteraukreis), Lisa Gnadl (MdL SPD), Stephanie Becker-Bösch (Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernentin Wetteraukreis, SPD), 2. Reihe Lucia Puttrich (Staatsministerin, CDU), Cäcilia Reichert-Dietzel (Bürgermeisterin Großgemeinde Ranstadt, SPD), EM, 3. Reihe Thomas Zebunke (Landtagskandidat Bündnis 90/ Die Grünen), Harald Kalteier