Foto (c) Charles Yunck

Hamburg, 18. Februar 2019 – Der Bundesverband der Berufsbetreuer/innen e.V. feiert morgen sein 25-jähriges Bestehen. 46 Frauen und Männer gründeten am 19. Februar 1994 in Frankfurt am Main die Interessenvertretung des jungen Berufsstandes – rund zwei Jahre nach Einführung des neuen Betreuungsrechts, das Vormundschaft und Entmündigung für Erwachsene abschaffte.

Schon bei der Gründung leitete der Gedanke, Menschen mit Betreuungsbedarf durch professionelle Unterstützung ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Frühzeitig setzten sich die Mitglieder an vielen Punkten für mehr gesellschaftliche Teilhabe betreuter Personen ein, die erst später gesetzlich verankert wurden. Waren beruflich tätige Betreuer zunächst „nur“ als rechtlicher Beistand gedacht, so bieten sie heute ihren Klientinnen und Klienten in komplexen Problemlagen passgenaue Unterstützung auf der Grundlage eines professionellen Betreuungsmanagements. Mehr als 1,3 Millionen Menschen nehmen in Deutschland rechtliche Betreuung in Anspruch.

6.900 Berufsbetreuer/innen sind im BdB organisiert, der neben der Geschäftsstelle in Hamburg 16 Landesgruppen in den Bundesländern unterhält. Der BdB ist die größte Interessenvertretung der Berufsbetreuer/innen in Deutschland und als Experte in der Bundes- und Landespolitik ein gefragter und geschätzter Partner. Der Verband gestaltet kontinuierlich Qualität in der rechtlichen Betreuung: 2018 wurden Berufsethik und Leitlinien überarbeitet, ein neues Berufsbild sowie neue Arbeitsmethoden sind in Entwicklung.

Langfristig verfolgt der Verband das Ziel, dass Betreuung eine Profession wird – mit einer anerkannten und gesicherten Fachlichkeit, gesetzlichen Regelungen zur Berufszulassung sowie einer beruflichen Selbstverwaltung in Form einer Berufskammer auf Grundlage eines Berufsgesetzes.

Foto: Thorsten Becker, Vorsitzender BdB (c) BdB

Die wichtigste und dringendste Forderung des BdB ist noch nicht erreicht: Eine Vergütungserhöhung nach mehr als 14 Jahren ohne Anpassung. Die Umsetzung des vorliegenden Gesetzentwurfes wäre ein Meilenstein, jedoch nicht ausreichend, sagt der Verbandsvorsitzende Thorsten Becker: „Um eine leistungsgerechte Vergütung zu erhalten und als Profession anerkannt zu werden, ist ein tiefgreifendes, auch gesellschaftliches Umdenken dringend notwendig. Es ist verbunden mit der Frage, in welcher Gesellschaft wir leben wollen und was uns das wert ist. Es gibt Anzeichen dafür, dass dieses Umdenken für mehr Teilhabe und Selbstbestimmung eingesetzt hat – wie die Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention zeigt. Die Gründungsforderungen des BdB gelten noch heute. Und wir kämpfen weiter.“

Der offizielle Festakt zum Gründungsjubiläum findet am 2. Mai auf der BdB-Jahrestagung in Potsdam statt.

In der am 1. April erscheinenden Verbandszeitschrift bdbaspekte gratulieren Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft.

Katarina Barley, Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz:
„Der BdB ist seit vielen Jahren für das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz ein wichtiger und vertrauensvoller Gesprächspartner bei der Diskussion um eine qualitätsvolle rechtliche Betreuung. Er setzt sich neben den Interessen seiner Mitglieder für ein insgesamt funktionierendes Betreuungswesen und nicht zuletzt auch für die Stärkung des Selbstbestimmungsrechts der betreuten Menschen ein. Für sein Engagement danke ich dem BdB und wünsche alles Gute zum 25jährigen Jubiläum.“

Prof. Dr. Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung:
„Die Zukunft unserer Gesellschaft entscheidet sich im Umgang mit den alten und sehr alten Menschen. Unsere Gesellschaft muss etwas Wichtiges lernen: dass der demente Mensch ein Mensch ist, auch wenn er nicht mehr vernünftig ist;  ein Mensch mit Demenz und mit Leib und Seele, Sinnlichkeit, Kreativität und Emotion. Die Kunst besteht darin, demente Menschen nicht mit Kleinkindern zu vergleichen und wie Kleinkinder zu behandeln, sondern sie als Erwachsene ernst zu nehmen – auch wenn sie vieles nicht mehr können, vieles nicht mehr bewältigen. Die Berufsbetreuer sind hierbei Lehrerinnen und Lehrer  für die Gesellschaft.“

Franz Müntefering, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO):
„Helfen und sich helfen lassen – beides gehört zum Leben dazu. Nicht nur im Alter, sondern häufig auch in jungen Jahren. Berufsbetreuerinnen und -betreuer spielen dabei eine unverzichtbare Rolle. Gerade vor dem Hintergrund des von allen Seiten erkannten Reformbedarfs brauchen sie eine starke Lobby. Mit seinem Weiterbildungsangebot und seinen Publikationen beteiligt sich der BdB auch ganz unmittelbar daran, die Qualität der Betreuung zu gewährleisten und zu verbessern. Mut und Ausdauer auch für die kommende Zeit. Menschen, die Ihre Hilfe brauchen, wird es weiterhin geben.“

Andrea Fischer, Dezernentin für Finanzen und Gebäudewirtschaft in der Region Hannover, Bundesgesundheitsministerin a.D.:
„Das Betreuungsrecht hat vielen Menschen Freiheit gebracht. Für diese Freiheit stehen Sie zum Wohle Ihrer Klientinnen und Klienten ein, Sie ermöglichen den Menschen Selbstbestimmung. Und entwickeln und wahren dabei hohe professionelle Standards für die Hilfestellung. Für Ihren Einsatz für Menschen mit Beeinträchtigungen möchte ich Ihnen herzlich danken und wünsche Ihrem Verband und seinen Mitgliedern weiterhin Erfolg!“

Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen:
„Der Bundesverband der Berufsbetreuer/innen e.V. (BdB) ist ein wichtiger Partner im Politikfeld für Menschen mit Behinderungen. Er bringt sich immer wieder sachkundig in politische Prozesse ein, zum Beispiel im aktuellen Diskussionsprozess „Selbstbestimmung und Qualität im Betreuungsrecht“. Der BdB leistet so einen wichtigen Beitrag, die Inklusion in Deutschland voranzubringen. Für die geleistete Arbeit und das Engagement möchte ich mich anlässlich des 25-jährigen Jubiläums herzlich bedanken. Ich wünsche eine weitere erfolgreiche Arbeit!“

Hintergrund: Aufgaben der Berufsbetreuer/innen

Berufsbetreuerinnen und -betreuer haben die Aufgabe, Menschen zu unterstützen, die aufgrund einer geistigen, psychischen oder körperlichen Erkrankung ihre Angelegenheiten nicht selbst regeln können. Betreuer sind den Wünschen und dem Wohl ihrer Klienten verpflichtet und sollen deren Rechte wahren und vertreten.

Rechtliche Betreuer/innen unterstützen Menschen, ihre Angelegenheiten möglichst selbstbestimmt zu regeln. Sie leisten Unterstützung bei der Willensbildung, bei der Entscheidungsfindung und der Umsetzung persönlicher Entscheidungen. Abhängig von der situativen Bedarfslage wählen sie die geeignete Form der Unterstützung: Sie beraten, vermitteln, unterstützen bei der Organisation von Assistenz und Pflege und treffen bei Bedarf auch stellvertretende Entscheidungen für ihre Klient/innen.

Berufsbetreuer managen die Finanzen ihrer Klienten, vertreten sie gegenüber Behörden, organisieren pflegerische Dienste oder willigen in ärztliche Behandlungen ein. Sie agieren in sehr unterschiedlichen Rollen – als Berater, Verhandler, Unternehmer und Netzwerker. Juristisches, medizinisches, pädagogisches und betriebswirtschaftliches Wissen sowie profunde Kenntnisse über das Sozialsystem bilden die Grundlage der Arbeit von Berufsbetreuern.

Betreuungen werden grundsätzlich von den zuständigen Amtsgerichten eingerichtet.
Gesetzlich geregelt ist, dass Betreuungen in spezifischen Aufgabenfeldern und nicht
pauschal festgelegt werden. Alle Aktivitäten der Betreuer sind an Wohl und Wille des Klienten ausgerichtet. Der betreute Mensch behält seine volle Rechtshandlungsfähigkeit.

Mehr Informationen: www.baustelle-betreuung.de

Twitter: @BdB-Deutschland