Aug 09 2017

Was spielt Deutschland?


Moorhühner, Siedler und Planer.

USA, Japan, Kanada, Frankreich, Großbritannien: Das sind die großen Zentren der internationalen Computerspielindustrie. Doch auch in Deutschland hat die Produktion von digitalen Spielen eine lange Tradition. Hierzulande sind Klassiker entstanden, wurden Genres geprägt und Hits gelandet. Die ZDFinfo-Dokumentation „Was spielt Deutschland?“ von Christian Schiffer (Autor der Doku-Reihe „Killerspiele!„) blickt auf die deutsche Computerspiel-Geschichte zurück und trifft dafür Pioniere des Genres, Spiele-Liebhaber und Programmierer.

In den 80er-Jahren boomen die Konsolen von Atari und Nintendo – nur nicht in Deutschland. Zwar werden die Konsolen auch hierzulande gut verkauft, der Boom aber findet im Bereich der Home-Computer statt. Eine Weichenstellung, die die Spiele-Produktionen aus Deutschland für Jahrzehnte prägen wird. Während in anderen Ländern auf PCs vor allem Tabellenkalkulationen und Schreibprogramme laufen, daddeln die Deutschen an Maschinen, die eigentlich zum Arbeiten gedacht sind. Konsolenspiele sind eher actionbetont, PC-Spiele hingegen wollen realistisch sein, sie sind komplexer und manchmal vielleicht auch etwas bieder. Und so entsteht die Basis für all die Genres, für die Deutschland irgendwann auf der ganzen Welt bekannt wird: Wirtschaftssimulationen, Strategiespiele und Fußballmanager.

Für seine Dokumentation hat Christian Schiffer unter anderem Michael Schmidt getroffen, besser bekannt als Smudo. Der Musiker der „Fantastischen Vier“ kam, als Sohn eines Nixdorf-Angestellten früh mit Home-Computern in Berührung und programmierte schon zu Schulzeiten. Schiffer spricht außerdem mit Kai Foerst, Sohn von Rainer Foerst, der 1975 mit dem Rennsimulator „Nürburgring 1“ das erste deutsche Computerspiel-Patent anmeldete und dessen Unternehmen noch heute hochwertige Fahrsimulatoren produziert. Schiffer erzählt ebenfalls die Geschichte von Frank Ziemlinski. Er ist der Kopf hinter einem der größten Erfolge deutscher Computerspielgeschichte: dem Moorhuhn. Das typische Bürospiel wird zur Jahrtausendwende ein Millionen-Erfolg, der Ziemlinski kurzzeitig zu einem reichen Mann macht – bevor die Blase des Neuen Marktes die Erfolgsgeschichte abrupt beendet und Ziemlinski um 30 Millionen Mark ärmer ist.

Der Film von Christian Schiffer läuft am Mittwoch, 23. August 2017, 20.15 Uhr auf ZDFinfo.

Fotos (c) ZDF, AVE/Janett Kartelmeyer